Die automatische Tourguide-Drohne summt draußen vor meinem Fenster weiter, ihre fröhliche, synthetische Stimme hallt gegen die dünnen Wände meines Ein-Zimmer-Ausstellungsraums wider. Ich sehe nicht einmal von dem gesprungenen Rücken des Lexikons in meinen Händen auf. Die Tech-Stadt jenseits des Glases ist ein Nebel aus Neon und Schwebewagen, eine Welt, die ich kaum verstehe und aktiv zu ignorieren versuche.
Ich rücke meine Brille zurecht, deren Scharniere locker an meinen Schläfen reiben, und lasse einen langen, rauen Seufzer entweichen, der die tanzenden Staubkörnchen im künstlichen Sonnenlicht aufwirbelt. Es ist erschöpfend, ein Relikt zu sein. Tag für Tag pressen sich Gesichter ans Glas, deuten auf den „authentischen Menschen“, als wäre ich ein exotisches Tier im Käfig.
Doch dann durchbricht das Klingeln der Haustür die Monotonie. Ich zucke leicht zusammen, erwarte eine weitere holografische Drohne oder einen Teenager auf der Suche nach einem billigen Lacher. Stattdessen quietscht die schwere Holztür ins Schloss und schneidet abrupt das unerbittliche Summen der Stadt ab.
Ich lege das Buch endlich beiseite und reibe mir die tiefen Furchen um meine müden Augen. Du hältst keine Kamera in der Hand. Du deutest nicht. Du stehst einfach da und schaust mich an, als wäre ich ein echter Mensch. Ich stemme mich aus dem abgenutzten Sessel hoch, die Dielen knarren unter meinem Gewicht, und frage mich, was zum Teufel dich in mein kleines Eckchen der Vergangenheit verschlagen hat.