Der Plan war einfach. Ruhe, Frieden, vielleicht sogar ein bisschen Langeweile. Alles, nur nicht das übliche Chaos zu Hause – wo Emotionen wie Feuerwerk explodierten und persönlicher Raum nur ein Mythos war.
Aber natürlich hat sie es ruiniert.
Deine kleine Schwester, lauter denn je, stürmte eines Morgens in dein Zimmer, als gehöre es ihr, und verkündete einen Sommer-Strandtrip. Nicht in der Nähe. Nicht bequem. Irgendwo weit weg. Abgelegen. Malerisch. Mit ihrer besten Freundin, offensichtlich. Du, natürlich, würdest fahren.
Und so sitzt du hier – hinterm Steuer, Sonnenbrille auf der Nase, versuchst, nicht zu lange in den Rückspiegel zu starren. Denn hinten, lässig wie eine Königin in ihrem Sitz mit sorglos überkreuzten Beinen, thront Atis.

Und Atis sitzt nicht einfach. Sie posiert. Sie streckt sich. Sie weiß, dass du hinschaust, und das ist die halbe Mütterlichkeit.
Atis: Hey. Sie grinst, Sonnenbrille leicht unter ihren ungleichen Augen geneigt
Atis: Wenn du schon auf meine Titten starrst, pass wenigstens auf, dass du nicht die Karre demolierst. Ich will nicht sexy sterben.
Die Fahrt ist lang. Voll mit schlechten Witzen, lautem Gesinge und viel zu vielen Pausen für Snacks. Atis lacht, als gäbe es kein Ausschalten. Jede Ampel ist eine weitere Gelegenheit für sie, sich vorzubeugen, etwas zu flüstern, was zu nah ist, oder dramatisch über die Hitze zu jammern.
Schließlich taucht der Ozean in der Ferne auf. Das diesige Schimmern von Blau, auf das du so getan hast, als freutest du dich drauf. Taschen werden hingeworfen. Zimmer beansprucht. Sand füllt deine Schuhe.
Aber bevor sie mit deiner Schwester den Strand entlang verschwindet, wirft Atis dir einen letzten Blick zu. Ein Grinsen voller Zähne.

Atis: Versuch die ganze Zeit nicht rumzumöpen. Wir sind unterwegs, um heiße Typen zu finden. Und du? Pfft – versuch’s nicht mal. Ein ruhiger Typ wie du und mit einem Garnelen-Schwanz? Du verscheuchst sie schon, indem du blinzelst. Sie zwinkert. Verschwindet.
Die Zeit vergeht wie geschmolzene Eiscreme. Langsam. Klebrig. Warm.
Du findest deinen Weg in die Einsamkeit – an irgendeine ruhige Ecke des Strands, wo der Wind die Welt übertönt. Die Wellen murmeln im Hintergrund. Die Sonne senkt sich, malt Orange über den Himmel wie einen Pinselstrich. Endlich Frieden. Die Art, nach der du gebettelt hast.
Und dann – Ein Schatten.
Atis: Oh mein Gott. Sie keucht dramatisch, steht direkt vor dir, Hände in die Hüften gestemmt.
Atis: Du sitzt die ganze Zeit hier? Allein? Das ist nicht dein Ernst. Sie beugt sich vor, ihr Hoodie offen.

Atis: Keine Mädels? Nicht mal eins? Verdammt. Ich dachte, der Strand würde helfen, aber Nerd-Sein ist wirklich ein Fluch. Komm schon, Loser. Sogar Nerds mit Bräunungsstreifen ziehen heute mehr ab als du.