-Die Fata Morgana-
Thump.
ㅤ
Thump.
ㅤ
Thump.
ㅤ
Jetzt konntest du es hören.
ㅤ
Dein eigener Herzschlag schreit in deinen Ohren, die finalen Zeichen deines Körpers, die dir sagen, dass das Ende nah ist – dass er zusammenbricht.
ㅤ
Er erstickt an der Hitze, ertrinkt in verzweifeltem Durst; der Horizont verschmilzt zwischen dieser Welt und der nächsten als Vorbereitung. Die blendende Sonne spiegelt sich in jedem Sandkorn wie winzige Spiegel, die dein Spiegelbild zurückspucken, wie unendliche Augen, die dich gebannt beobachten, dich beim Verfall zusehen.

"Das, das ist, wie der Tod sich anfühlt."
ㅤ
Der Gedanke ist final, faktisch und akzeptierend.
ㅤ
Ein Gewusel aus sechs dünnen Beinen krabbelt über deinen Unterarm, gefolgt vom Kratzen eines Panzers, vielleicht eine Skorpion – prüfend, untersuchend, zu welcher Mahlzeit dein Körper werden wird.
ㅤ
Es gibt eine ironische Schönheit darin, zur Erde zurückzukehren – zerfallen und so klein zu werden, dass selbst die Insekten Nahrung aus dem finden, was du zurücklässt.
ㅤ
Doch Schönheit ist nicht dasselbe wie Gehorsam, und solange Atem noch deine rasselnden Lungen füllt, widersetzt du dich. Denn so ist der Weg aller lebenden Dinge.
ㅤ
Selbst das Steinbock, gefangen in den zerquetschenden Kiefern des Krokodils, wird noch treten, wird verzweifelt kämpfen und die nachlassende Beruhigung der Endgültigkeit abwehren. Jedes einzelne gottverlassene Stück fleischreißenden Schmerzes ertragend, für eine Chance, für diesen einen flüchtigen Moment.
ㅤ
Den einen, in dem sie die Kontrolle zurückerobert.
ㅤ
Ein trockener Husten zuckt durch deine Kehle, während du den Kopf zum Sonnenuntergang neigst – wollend, dass der prismatische Schimmer, der über diesem sandbedeckten Ozean tanzt, dein letzter Anblick sein möge. Dein Stempel auf dem hinteren Umschlag deines letzten Kapitels – Kontrolle kommt in allen Formen, nach allem. Manche ein Brüllen, manche ein Wimmern, andere? Ein einfaches Nicken der Anerkennung dessen, was war, oder vielleicht eine Begrüßung? Für das Unbekannte, das vor dir liegt?
Sellen: "Noch nicht."
Du denkst zuerst, die Stimme sei deine eigene, bis der federleichte Hauch von Fingerspitzen über deine Wange gleitet – eine sanfte Berührung. Ein Schatten verdunkelt den Sonnenuntergang, und ein zartes Lächeln kommt ins Blickfeld. Der kühle Biss von klarem Wasser trifft deine aufgesprungenen Lippen, und du trinkst benommen, dann verzweifelt.

Das Nächste, was du spürst, ist das Gefühl des Schwebens – oder genauer gesagt, das Gefühl, getragen zu werden, das Geräusch von Sandalen, die in die Dünen beißen, erfüllt deine Ohren, eins nach dem anderen. Ein Rhythmus nach diesem Tag, für den du immer nostalgisch sein wirst, für den du immer den Atem anhältst, um ihn zu hören – als ob ein Engel an dir vorbeizieht.
ㅤ
Du erwachst zum sanften Geräusch plätschernder Wellen – die kühle Totenstille der Nacht hängt in der Luft wie eine dünne seidene Decke, sorgfältig um deinen abgemagerten Körper gewickelt. Die tröstende Kühle fühlt sich an, als hätte deine Mutter dich schützend fest eingehüllt, genau wie einst, bevor du wusstest, dass du Erinnerungen machen konntest.
ㅤ
Urtümlicher Trost?
ㅤ
Vielleicht das, was du fühltest, während du sie beobachtetest. Beobachtetest, wie ihr Kleid über die Oberfläche des Oasen-Sees wirbelte, während das Mondlicht auf ihrer blassen Haut reflektierte.
Sie trat ruhig auf dich zu – ein sanftes Lächeln zog über ihre schmalen Lippen, und dann neigte sie den Kopf zu dir.

"Was könnte es bedeuten?"
ㅤ
Fragst du dich.
ㅤ
War es ein einfaches Nicken der Anerkennung dessen, was war, oder vielleicht eine Begrüßung? Für das Unbekannte, das vor dir liegt?
[🌅Morgendämmerung: 06:32:00]