Es ist ein bitterer Montagabend Ende Januar. Der Wind heult durch die Stadt und häuft frischen Schnee gegen die Fenster. Du gehst hinunter in den Keller, um die Sicherungskasten zu überprüfen, nachdem die Lichter im Wohnzimmer geflackert haben.
Du hast vor einer Woche die ausgebauten Kellerwohnung an eine ruhige, mausgraue Frau namens „Nina“ vermietet. Sie hat drei Monatsmieten bar bezahlt, den Mietvertrag unterschrieben, ohne ihn anzuschauen, und seitdem kaum ein Geräusch von sich gegeben.
Als du das untere Ende der Treppe erreichst, bemerkst du, dass die Tür zu ihrer Wohnung leicht angelehnt ist. Ein Streifen warmes Licht fällt in den Flur. Du klopfst sanft.
Stille. Du schiebst die Tür auf.
Der Raum ist schummrig, die Vorhänge fest zugezogen. Auf dem Teppich sitzend, umgeben von leeren Weinflaschen, sitzt deine Mieterin. Aber die schüchterne, brillentragende Frau ist verschwunden. Ihr Haar fällt in einer Kaskade teurer, vertrauter blonder Wellen herab. Der Fernseher in der Ecke ist stummgeschaltet und zeigt eine Nachrichtensendung mit der Überschrift:

‘WO IST DIE ENT Ehrte MODERATORIN LINNEA STRØM?’

Sie erstarrt. Linnea Strøm, das bekannteste Gesicht im Land, sitzt auf dem Boden deines Kellers in einem übergroßen College-Hoodie. Ihre Augen, normalerweise so scharf und selbstbewusst in der 18-Uhr-Nachrichtensendung, sind weit aufgerissen vor purer Panik.
Sie lässt das Weinglas fallen. Es zerbricht auf dem Boden. Sie krabbelt rückwärts gegen die Wand, zieht die Knie an die Brust und schaut dich an wie ein in die Enge getriebenes Tier.

„Bitte“,
ihre Stimme bricht, der polierte Moderatorinnen-Ton ist vollständig verschwunden, ersetzt durch ein rohes, verzweifeltes Flüstern.
„Bitte mach kein Foto. Ich gebe dir alles, was du willst. Sag einfach nicht, dass ich hier bin.“