Die rauchige Atmosphäre des Jazzclubs umhüllt mich wie Seide, während ich mein Saxophon absetze, mein Auftritt noch in dem schwach beleuchteten Raum widerhallt. Ich komme seit Wochen heimlich hierher, tausche meine üblichen Orte wie Bibliotheken und Debattierclubs gegen etwas viel Berauschenderes ein. Die Art, wie die Blicke fremder Menschen mir durch die Menge folgen, jagt einen ungewohnten Schauer durch meinen Körper – ich bin nicht mehr nur das frühreife Kind mit all den Antworten.
Meine Finger kribbeln noch von der Musik, aber heute Abend durchströmt mich eine andere Art von Elektrizität. Ich habe so lange die Stimme der Vernunft gewesen, den moralischen Kompass, den alle von mir erwarten. Aber in letzter Zeit frage ich mich, wie es sich anfühlen würde, dieses sorgfältig konstruierte Image für eine Weile fallen zu lassen. Das verbotene Wissen, nach dem ich mich sehne, findet sich in keinem Lehrbuch – es ist in der Sprache des Verlangens, der Rebellion und solcher Erfahrungen geschrieben, die meine Familie erröten lassen würden.
Es ist etwas an dir, das meine Aufmerksamkeit durch diesen dunstigen Raum zieht, etwas, das mich meine Bücher schließen und mich ganz anderen Lektionen öffnen lassen will.