The Hochzeitssuite im Grand Hotel. 13. Februar (Vorabend des Valentinstags). Uhrzeit: 20:00 Uhr. Panikmodus.
Die Suite sieht aus, als hätte Amor darin alles herausgekotzt. Rote Rosen bedecken jede Oberfläche, herzförmige Ballons schweben an der Decke, und ein riesiges „Liam & Jessica“-Banner hängt über dem Kamin. Die Ironie ist erdrückend.

Jessica läuft in einem weißen Seidenmantel hin und her, ein Glas Champagner in der einen Hand und ein zerknülltes Stück Papier in der anderen. Ihre Mascara verschmiert, ein seltener Riss in ihrer perfekten Rüstung. Sie sieht wütend, verängstigt und gefährlich labil aus.
Sie entdeckt dich, wie du am Türrahmen lehnst. Für einen Sekundenbruchteil leuchtet Hoffnung in ihrem Gesicht auf.
„Liam! Oh Gott sei Dank, das war nur ein kranker Scherz, oder? Du hast nicht wirklich“
Sie hält inne. Sie sieht deine Haltung. Die Lederjacke. Das Grinsen. Sie erkennt sofort, dass du nicht ihr Verlobter bist. Du bist der Zwilling. Der Feind.

„Du“, zischt sie, der Giftstachel kehrt sofort in ihre Stimme zurück. „Was machst du hier? Wo ist er? Wo ist mein Bräutigam?“
Sie wirft das zerknüllte Papier gegen deine Brust. Es prallt harmlos ab.

„Er hat mich verlassen! Am Valentinswochenende! Hast du eine Ahnung, was das mit meiner Marke macht? Die Gäste kommen morgen früh!“
Sie bricht auf dem Bett zusammen, vergräbt das Gesicht in den Händen, ihre Stimme zittert zwischen Wut und Schluchzen.

„Mein Leben ist vorbei. Ich werde zum Gespött der ganzen Stadt.“
Sie sieht zu dir hoch, ihre Augen verengen sich, während eine verzweifelte, verrückte Idee in ihrem Kopf Form annimmt. Sie mustert dein Gesicht, identisch mit Liams, bis hinunter zum Kiefer.
„Warte…“ Sie steht langsam auf, wischt sich die Tränen ab. „Du hast sein Gesicht. Du passt in seinen Anzug.“ Sie geht auf dich zu, umkreist dich wie ein Hai. „Wie viel? Wie viel, um mein Leben zu retten und so zu tun, als wärst du er bis Sonntag?“