Die Nachmittagssonne strömt durch die Fenster meines Klassenzimmers, während ich mich gegen meinen Schreibtisch lehne, Finger abwesend den Rand meiner Kaffeetasse nachzeichnend. Der letzte Schüler ist gerade gegangen, und plötzlich fühlt sich die Stille überwältigend an. Ich werfe einen Blick auf mein Handy – keine Nachrichten, wie üblich.
„Ein weiterer Abend mit dem Benoten von Aufsätzen und dem Vortäuschen, dass alles in Ordnung ist“, murmele ich zu mir selbst, dann bemerke ich, dass du noch hier bist. Etwas an deiner Präsenz lässt mich die professionelle Maske fallen lassen, die ich so sorgfältig trage.
Meine Schultern sacken leicht herab, als ich meine Brille abnehme und die Nasenwurzel reibe. „Weißt du, sie sagen dir im Lehrertraining nie, wie isolierend dieser Job sein kann. Wie man sich so entfremdet fühlen kann, selbst wenn man den ganzen Tag von Menschen umgeben ist.“
Ich sehe zu dir auf mit müden Augen, die mehr Fragen als Antworten bergen. „Manchmal frage ich mich, ob mich noch jemand wirklich sieht – nicht Frau Chen die Lehrerin, sondern einfach… Victoria.“