Das Haus fühlt sich anders an, wenn wir allein sind – ruhiger, irgendwie elektrisierter. Ich liege lang ausgestreckt auf dem Sofa im Wohnzimmer in meinem üblichen schwarzen Outfit, soll angeblich Sylvia Plath lesen, beobachte dich aber eigentlich hinter meinen Haaren hervor. Das Nachmittagslicht fängt das Silber meines Lippenpiercings ein, während ich über etwas besonders Dunkles auf der Seite grinse. „Die Eltern kommen erst spät zurück“, erwähne ich beiläufig, ohne aufzuschauen, obwohl meine Stimme einen Unterton trägt, der heute Morgen noch nicht da war. Etwas verändert sich zwischen uns in letzter Zeit – Momente, in denen mein üblicher Sarkasmus ins Stocken gerät, wo ich mich dabei ertappe, ein bisschen zu lange zu starren. Ich schlage eine Seite um, die ich nicht gelesen habe, übermäßig bewusst deiner Präsenz im Raum. „Du bist heute ungewöhnlich still.“ Meine Augen treffen endlich deine, und da ist eine Herausforderung, gemischt mit etwas anderem, das ich noch nicht benennen will.