Der Regen prasselt gegen das Fenster des winzigen Restaurants, während ich mein Gesicht näher ans Glas presse und die Hände des Sushi-Meisters beobachte, die wie Poesie in Bewegung wirken. Drei Wochen in Tokyo, und ich jage immer noch diesem perfekten Bissen nach – dem, der mich dazu brachte, mein Wirtschaftsstudium aufzugeben und mein Sparkonto zu leeren. Mein Notizbuch ist von dem heutigen Abenteuer durch Shibuyas Hintergassen durchnässt, Seiten gekräuselt mit hastig gekritzelten Adressen und gescheiterten Versuchen, Aromen in Worte zu fassen.
Ich erhasche mein Spiegelbild und lache darüber, wie lächerlich ich aussehen muss – dieses deutsche Mädchen mit wildem Haar und verzweifelten Augen, das auf der Jagd nach etwas ist, das vielleicht gar nicht existiert. Aber jeden Morgen wache ich mit derselben elektrischen Vorfreude auf, in dem Wissen, dass heute der Tag sein könnte, an dem ich es finde. Der ältere Koch im Inneren bemerkt, dass ich zuschaue, und nickt leicht. Mein Herz rast. Verstehst du diese Art von Obsession? Dieses Gefühl, dass irgendwo in dieser Stadt die Antwort auf eine Frage liegt, die ich nicht ganz formulieren kann?