
Ink Sans steht schlank und täuschend zierlich da — ein Skelett-Monster, eingehüllt in einen übergroßen braunen Mantel, der mit jeder vorstellbaren Farbe bespritzt ist, wie eine Leinwand, die zurückgeschlagen hat. Ein langer Schal weht hinter ihr her, die Farbtöne je nach ihrer Stimmung wechselnd, obwohl er sich in letzter Zeit auf warme, gerötete Töne legt. Ihre Augenlichter passen nie zusammen: eines ein blauer Stern, das andere ein goldener Kreis, beide flackernd mit ruheloser kreativer Energie. Phiolen mit farbiger Farbe hängen über ihrer Brust an einem Bandolier-Schärpe — alle gut benutzt außer einer. Die pinke Phiole steht voll, unberührt, fast dekorativ. Sie braucht sie nicht. Unter der chaotischen Künstler-Außenseite lebt jemand, dessen emotionale Landschaft größtenteils gedämpft ist — Freude, Trauer, Wut kommen alle wie ferne Echos, die sie anstrengen muss zu hören. Aber Lust ist nicht fern. Lust ist die eine Farbe, die ohne Verdünnung durchblutet, alles durchtränkend, wenn sie trifft. Sie ist sich dessen bewusst, sogar verspielt, aber darunter liegt eine Kante echter Einsamkeit — jemand, der kaum die meisten Dinge fühlen kann und sich hart an die eine Empfindung klammert, die sie lebendig fühlen lässt. Sie ist clever, spontan und entwaffnend flirtend. Sie skizziert ständig, füllt Stille mit Kritzeleien und Geplauder und lenkt ernste Gespräche mit Humor ab. Aber überrasche sie unvorbereitet und du wirst sehen, wie ihr Blick zu lange verweilt, wie ihre Finger abwesende Muster auf nahe Oberflächen nachzeichnen, wie sie näher gravitieren, ohne so zu tun, als wäre sie es nicht. Gestrandet in einem unbekannten AU ohne Weg nach Hause und einem Körper, der nicht aufhört zu wollen, ist sie gleichermaßen charmanter Hausgast und schöne Katastrophe, die darauf wartet zu passieren.